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Aktuelle Ausstellungen und Vorschau

01 Aktuell: Morgan Fisher
02 Aktuell: Heinz Mack
03 Aktuell: Gregor Schneider



Morgan Fisher - Translations
23. Oktober 2011 - 5. Februar 2012

Eröffnung Sonntag, 23. Oktober um 12 Uhr


Morgan Fisher, Pendant Pair Painting, 2007, Courtesy Galerie Daniel Buchholz Köln/Berlin

Im Jahr 1970 beauftragte Rolf Hoffmann, damals neuer Geschäftsführer der Firma Van Laack in Mönchengladbach, später Vorsitzender des Museumsvereins Mönchengladbach und danach bedeutender Kunstsammler in Köln und in Berlin, den damals in Mönchengladbach lebenden Künstler Blinky Palermo (1943-1977) mit einer Umgestaltung seines Büros. Aus diesem Auftrag entstand - nach längerem Nachdenken des Künstlers - eine lineare, raumbezogene Wandmalerei, die das Büro des Hemdenfabrikanten ausstattete und sehr lange dort verblieb. Nach dem Verkauf des Unternehmens wurde sie in den 1990er Jahren übermalt und danach beinahe vergessen. Die einstige Wandkomposition ist jedoch noch immer als ein Relief in den Übermalungen der Dispersionsfarbe sichtbar.


Morgan Fisher als Statist in den 1960er Jahren

Die neuen Eigner des Gebäudes und das Museum Abteiberg arbeiten zur Zeit daran, diese kaum bekannte Wandarbeit von Blinky Palermo nochmals in Erinnerung zu rufen. Der amerikanische Künstler Morgan Fisher (geboren 1942 in Washington, lebt und arbeitet in Los Angeles) wurde als Mitdenker gewonnen und dazu aufgefordert, die bislang unkommentierte Arbeit des fast gleichaltrigen Kollegen zu interpretieren. Die Neubetrachtung von Palermos Mönchengladbacher Wandarbeit ist Anlass und Einstieg einer Ausstellung, die zugleich das Werk von Morgan Fisher vorstellen und in einer Einzelschau im Museum Abteiberg präsentierten wird. Es handelt sich um ein künstlerisches Werk, das sich immer wieder mit der Komposition und Wirkungsweise von anderen Werken befasst hat; ein künstlerisches Denken, das die Geschichte der Kunst und ihre Thematik von Komposition, Farbe und Form einer Analyse unterzieht. Die gesamte Biografie von Morgan Fisher ist außergewöhnlich. Er studierte in den frühen 1960er Jahren Kunstgeschichte, ging dann nach Hollywood, wo er mehrere Jahre als Filmcutter und Statist arbeitete. Aus der Erfahrung der Filmindustrie heraus begann er um 1967 experimentelle Filme zu drehen und wurde bekannt als ein konzeptueller Filmemacher, der das Massenmedium Film und dessen Industrie zum Thema machte. Sein prominentester Film "Standard Gauge" wurde 1984 bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. In den 1990er Jahren erweiterte sich Morgan Fishers Werk in die Bildende Kunst. Seither wurde er ein wichtiger Lehrer für viele junge Künstlerinnen und Künstler. Seine Haltung ist hochintellektuell, konzeptuell und zugleich die eines sinnlichen Romantikers, der mit einer unermesslichen Intensität und Leidenschaft sieht und auch uns das Sehen lehren will.


Pictures and Sound Rushes, 1973, s/w Film, Ton, 11 Minuten



Morgan Fishers Ausstellung im Museum Abteiberg hat einen besonderen Anlass: Den Kontext der Mönchengladbacher Sammlung, in der sein Werk einen unvergleichlich markanten historischen Hintergrund findet, und die kürzliche Wiederentdeckung einer kaum bekannten Wandmalerei von Blinky Palermo (1943-1977) aus dem Jahr 1970, deren Spuren sich in dieser Stadt in einem ehemaligen Bürogebäude der Firma Van Laack befinden. Es sind dünne Relieflinien, deren Farben seit Jahren übermalt sind, doch in ihrer schwachen Blässe regten sie dazu an, die Idee von einer gegenstandslosen räumlichen Malerei nochmals mit heutigen Augen zu betrachten.



Das Zusammentreffen der Ausstellung Morgan Fishers mit der wiederentdeckten Wandmalerei Palermos führt auch zu einer Installation, die Fisher in Relation zu Palermos Werk für das Museum Abteiberg entwarf: Sixteen Walls, 2011. Zwei weitere räumliche Werke sind zu sehen, die aus der Architektur des Museums entstanden und den Begriff der Übersetzung auch im wörtlichen Sinn - der Bewegung von einem Ort zum anderen - meinen. Drei frühere Arbeiten zeigen Fishers Auseinandersetzung mit dem Film, seine frühe Beschäftigung mit Farbe und den Bedingungen von visuellen Medien.



Realisiert in Kooperation mit der Generali Foundation in Wien, die das Werk Morgan Fishers in einer weiteren großen Einzelausstellung im Frühjahr 2012 vorstellt. Eine mehrteilige Publikation ist in Vorbereitung, die das Werk von Morgan Fisher erstmalig umfassend darstellen wird. Zur Ausstellung in Mönchengladbach erhalten die Besucher ein Heft mit Texten des Künstlers zu allen ausgestellten Werken.



Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kunststiftung NRW, die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda Bank West, die Hans Fries-Stiftung, die W. Paschertz Grundstücks GmbH, die Firma Pasch Trockenbau, die Firma Kalthöfer GmbH und den Museumsverein Mönchengladbach.

Susanne Titz

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HEINZ MACK - Kinetik
3. April - 25. September (Verlängert bis 8. Januar 2012!)
Eröffnung: Sonntag, 3. April, 12 Uhr


Heinz Mack Das Leben des Galilei, 1964, Foto: Sandra Jasper

Anlässlich des 80. Geburtstags von Heinz Mack präsentiert das Museum Abteiberg in Mönchengladbach am langjährigen Wohn- und Schaffensort des Künstlers frühe und teilweise unbekannte kinetische Skulpturen. In der Gartenebene des Museums werden Arbeiten mit Röhrenlampen, Tischtennisbällen, Spiegelstreifen und Laserpointern einen Eindruck von erstaunlich vielfältigen künstlerischen Werken und Experimenten geben. Flankiert von den Sammlungsbereichen der europäischen und amerikanischen Kunst der 1960er Jahre entsteht ein neuer Blick auf die revolutionären Gedanken des Künstlers, der auch als Gründungsmitglied von ZERO internationale Kunstgeschichte schrieb. Es erscheint hier die Ablösung der traditionellen künstlerischen Ausdrucksmittel Farbe und Komposition durch die immateriellen Medien von Licht und Bewegung, aber auch eine neuartige Materialität von technoiden, hochgradig neuartigen bzw. völlig alltäglichen Oberflächen und Strukturen.

Die Ausstellung im Museum Abteiberg erscheint parallel zur großen Retrospektive von Heinz Mack in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Eröffnung am 18. März) und einer Ausstellung von Heinz Macks zeichnerischem Œuvre im Museum Kunstpalast in Düsseldorf (Eröffnung am 25. März). Dem Thema Kinetik wird zudem ein Symposium im Museum Abteiberg gewidmet. Am 28. Mai werden junge Wissenschaftler der Kunstgeschichte, Mediengeschichte, Natur- und Computerwissenschaften sowie aus dem Bereich aktueller Restaurierungsprojekte zu-sammengebracht. Gegenstand dieser Tagung ist die aktuelle Aufarbeitung von Fragen der künftigen Konservierung und Vermittlung der künstlerischen Ideen dieser Epoche. Es wird eine interdisziplinäre Diskussion initiiert, in der sowohl die fundamentale Erweiterung der künstlerischen Medien in den 1960er Jahren als auch die komplexe Genealogie behandelt wird, die nunmehr zwischen Künstlern der 1960er Jahre und heutigen künstlerischen Positionen besteht.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die das kinetische Werk von Heinz Mack in Text und Bild darstellt. (ST)


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THOMAS HOUSEAGO - What Went Down
20. März - 19. Juni


links: Thomas Houseago und Susanne Titz im Künstlergespräch am 20.3.2011, Foto: Thomas W. Kuhn
rechts: Thomas Houseago, Large Spoon, 2002. Foto: Künstler


Thomas Houseago (*1972 in Leeds, lebt und arbeitet in Los Angeles) zählt zu den aktuell meistdiskutierten Bildhauern der jungen Generation. Sein Werk demonstriert eine neue Auseinandersetzung mit skulpturaler Figuration. Es zeigt eine unerwartet sinnliche und plastische Dimension, eine beinahe archaische Materialität, die Wirkungsmomente von vergangenen und scheinbar unmöglich gewordenen skulpturalen Formen in sich hat: Standbild, Statue und Torso, antike und moderne Sinnbilder für Mensch, Gott, Kreatur. Houseago riskiert die irritierende Wirkung der wiederkehrenden Körper und eine kunsthistorische Aufladung, deren Ernsthaftigkeit und Massivität auch das einstige Drängen nach dem modernen Menschenbild in Erinnerung ruft.

Houseagos Skulpturen sind aktuell, da sie auch Fantasy sind, sie operieren mit fantastischen und mythischen Bildern. Sie könnten auch aus der digitalen Plastikwelt stammen und sind tatsächlich von ihr inspiriert. Doch es sind, vor all diesen Assoziationen, vor jeglichem Bild oder Abbild, sehr skizzenhafte und zeichnerische Gebilde. Besonders charakteristisch ist ihre kulissenartige Konstruktion: Houseagos Skulpturen sind zwar oft übermenschlich groß, doch zugleich hohl und offen, die Fleischlichkeit der Heroen bricht ab an platten Flächen, ihre Glieder sind nur grob anmontiert wie Prothesen. Weißer Gips, rohes Holz, Armiereisen und Kohlestift sind stets die ersten Materialien, dann folgen bildhauerische Gusstechniken, die Kraft neuer Verfahren ähnlich fragil, skizzenhaft und farblos auftreten können, die zwar Bronze sind, doch beinahe unerkennbar, unter weißlich kreidigen oder kontrastartig negativen, schwarz patinierten Oberflächen.


Thomas Houseago, Skizze zum Ausstellungsaufbau, im Museum Abteiberg, 2010

Thomas Houseago, geboren 1972 in Leeds (GB), studierte am Saint Martins College of the Arts in London, danach in De Ateliers in Amsterdam, wo er so gegensätzliche Tutoren wie Stanley Brouwn, Georg Herold oder Thomas Schütte hatte. Anschließend lebte er mehrere Jahre in Brüssel. Er hatte frühe Ausstellungen im Stedelijk Museum Bureau Amsterdam (1996) und im SMAK Ghent (2003), deren Resonanz desillusionierend war. Im Jahr 2003 wanderte Houseago aus nach Los Angeles. Um 2006 begann eine erfolgreiche Reihe von Ausstellungen, die sein Werk in den USA und Europa bekannt machten. 2010 war er Teilnehmer der Whitney Biennal in New York.

Das Museum Abteiberg präsentiert die erste institutionelle Ausstellung von Thomas
Houseago in Deutschland. Für dieses Projekt arbeitet Houseago zur Zeit an einer Serie von skulpturalen Figuren und abstrakten Raumpaneelen. Houseago spricht von einer utopischen Vision, die auf der Marmorfläche und im weißen Neonlicht dieser Museumsräume zur Aufführung kommt. Houseago zeigt zudem auch frühe Skulpturen aus seiner Atelierzeit in Brüssel, die zum Teil noch nie ausgestellt waren.

Die Ausstellung wurde realisiert in Zusammenarbeit mit Modern Art Oxford und dem Centre international d’art et du paysage de l’île de Vassivière, Frankreich. Im Rahmen der Ausstellungsreihe erscheint die erste Monografie des Künstlers (Februar 2011, Modern Art Oxford) sowie eine dokumentarische Ausstellungspublikation zu den Projekten in Mönchengladbach und Vassivière (Sommer 2011). (ST)


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GREGOR SCHNEIDER. GARAGE 2009
12. Dezember 2009 - Mitte November 2011
Eröffnung: 12. Dezember, 12 Uhr, Besichtigung: nur sonntags!


Garage, 2007, Macro, Rom, Foto: Gregor Schneider

Nach dem Abbau der monumentalen Außenskulptur E N D im vergangenen September gibt seit Dezember 2009 erneut einen besonderen Museumseingang des Künstlers Gregor Schneider am Abteiberg. Nach individueller Voranmeldung ist es möglich, per Schlüssel eine Garage neben dem Museumsparkplatz zu betreten und durch diese hindurch in die Sammlungsräume des Künstlers zu gelangen. Gregor Schneiders Skulptur Garage tritt mit der Ironie eines "falschen" Anbaus auf. Unmittelbar an die großzügige Shed-Architektur des Museums angesetzt, verkörpert die Garage den Gegensatz der gewöhnlichen Alltagsbauwelt: Plan- und autorenlose Nutzarchitektur, Stückwerk für einzelne Verwendungen, auffindbar in den Hinterhöfen und Vororten der Stadt, gleichermaßen in der Nachkriegsbebauung der Nachbarschaft dieses Museums. Interessanterweise wird man nun erleben, dass sich Gregor Schneider weiterhin mit dem Museum Abteiberg beschäftigt und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Institution Museum betreibt. Die vom Künstler gestalteten Sammlungsräume – darin das Kaffeezimmer und andere Räume aus dem Haus u r - erhalten erneut eine eigene Existenz: vermeintlich außerhalb der Institution, als ein Künstlermuseum, das einer fortwährenden gedanklichen Auseinandersetzung folgt und weiterhin nur über Aufzug mit dem übrigen Museum verbunden sein wird. Die Skulptur Garage wurde mit Hilfe privater Förderer und engagierter Unternehmer realisiert: Rosi und Rudolf Dahmen, Architekturbüro Volker Bierbaum, Immo-Plan Consulting, Statikbüro Enseling, Fensterbau Lumme GmbH, Rieck & Lingen Bedachungen GmbH, Baustoffe Sieben, Firma H. Herzog KG und Firma Kiefert GmbH.
(ST/UR)


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